
Hochsprung, Urs u. 6 weitere Autoren (2011): „Es begann am Heeseberg… Stromatolithe und der Ursprung des Lebens“.
Paperback, 60 S., ISBN 978-3-89937-143-7, herausgegeben vom Freilicht- und Erlebnismuseum Ostfalen (FEMO), erschienen im Verlag Dr. Friedrich Pfeil, München, 7,- €.
Stromatolithe sind die wohl ersten mit bloßem Auge erkennbaren Zeugnisse des Lebens auf unserem frühen Planeten. Sie existierten schon vor unglaublichen 3,5 Milliarden Jahren zur Zeit des Präkambriums. Der Name kommt aus dem Griechischen und bedeutet „stroma“ = Decke und „lithos“ = Stein und wurde 1908 von Prof Ernst Kalkowsky festgelegt. Es handelt sich dabei um feinlagig aufgebaute, riffartige Strukturen aus Mikrobenvergesell- schaftungen von Cyanobakterien (Blaualgen). Diese fingen Kalkpartikel ein und bauten somit im Laufe der Zeit dünne Krusten auf. Sozusagen als Abfallprodukt bei der Fotosynthese wird durch die Mikrobenmatten Sauerstoff ausgeschieden. Zu Beginn wurde dieser durch das im Meer gelöste Eisen gebunden, später entwich der freie Sauerstoff in die Atmosphäre und bildete damit die Grundlage für die Entstehung davon abhängiger höherer Lebewesen. Dadurch allerdings haben sie letztendlich ihren eigenen (Fast-) Untergang eingeläutet, denn es entstanden auch Tiere, die sich von Algen ernährten. Es blieb ihnen nur der Rückzug in Gebiete in übersalzene Meeresbereiche, wo sie heute noch existieren, wie z. B. in der Shark Bay in Australien.
Die ältesten fossilen Stromatolithen stammen mit ca. 3,5 Milliarden Jahren z. B. aus dem Archaikum der Pilbara-Berge in Australien, die jüngsten aus heutiger Zeit als sogenannte subrezente aus dem Pleistozän/Holozän.
Im Verlag Dr. Friedrich Pfeil, München wurde vor kurzem anlässlich einer gemeinsamen Sonderausstellung im Naturhistorischen Museum Braunschweig, dem Senckenberg Forschungsinstitut und Naturmuseum und dem Geopark Harz-Braunschweiger Land Ostfalen von einer Autorengruppe eine Broschüre dazu herausgegeben (s. Foto oben, Titelseite des Büchleins).
Diese Büchlein beschreibt in mehreren kurzen und einprägsamen Aufsätzen alles Wissenswerte über die Stromatolithe. Dazu werden insgesamt 101 Fotos von hervorragender Qualität abgebildet. Die Exponate stammen aus aller Welt, darunter auch viele aus der sogenannten „Banded Iron Formation (BIF)“ vor ca. 2 Milliarden Jahren mit schöner Bänderung durch das wechselnde Ausscheiden von Eisenoxiden und anderen Eisenverbindungen. Aber auch aus unserer näheren Umgebung sind viele Exemplare abgebildet (u. a. Heeseberg, Harz und Thüster Berg).
Insgesamt kann die vorliegende Publikation jedem wissbegierigen Fossiliensammler, der mehr über die Entstehung des Lebens erfahren möchte, nur besonders empfohlen werden. Zumal der äußerst geringe Preis von 7,-€ nun wirklich nicht vom Kauf abschrecken kann.
319 Seiten, reich bebildert (Hinstorff Verlag Rostock), Preis 39,90€.
Das o.g. Buch wurde 2010 von der Region Hannover herausgegeben. Der Titel ist etwas flapsig gefasst und umfasst nicht den ganzen Inhalt. In der reich bebilderten Dokumentation – und um eine solche handelt es sich eigentlich – geht es um die Anfänge und die Geschichte der Industriealisierung in der Region Hannover (vormals Großraum Hannover). Es wird darauf hingewiesen, dass eine der wichtigsten Grundlagen für die Entstehung der zahlreichen Industrieansiedlungen das Vorhandensein von Bodenschätzen war, wie Kohle, Salz, Kalkmergel, Asphalt, Ton, Sande, Kies und Torf. Ein Hauptaugenmerk wird auf die Geschichte der Deisterkohle gelegt als wichtiger Rohstoff für die Kalkbrennerei und die Ziegeleien, aber auch für die Glasindustrie und den Maschinenbau. Auf das Imperium des ehemaligen Bauersohnes Johann Hinrich Egestorf (1772 bis 1832) „Kalkjohann“ und seines Sohnes Georg Egestorf, das u. a. die Hanomag umfasste, die heutzutage zur Baumaschinenfabrik Komatsu gehört, wird detailliert eingegangen.
Aber auch die anderen wichtigen Voraussetzungen für die Entwicklung der Industrien, wie der Eisenbahn- und Autobahnbau, der Ausbau des Mittellandkanals und das Arbeitskräfte-Potenzial mit den zugehörigen sozialen Problemen werden ausführlich beschrieben und dokumentiert.
Neben den bedeutenden heutigen und ehemaligen Großunternehmen der Konsumgüterindustrie wie Continental, Döhrener Wolle, Pelikan/Günther Wagner (VW kam erst viel später), und Unternehmen der Lebensmittelfabrikation (u. a. Bahlsen, Zucker, Bierbrauereien) wird auch ein ausführliches Kapitel der Geschichte der Zementindustrie gewidmet, und das ist der Grund, warum an dieser Stelle über das Buch berichtet wird, und auch weil vielleicht der eine oder andere Sammler wissen möchte, wie das alles einmal angefangen hat und was das mit den alten Namen in der Literatur für eine Bewandtnis hat.

Günstig, dauerhaft und formbar: Zement
Hannover als Zentrum der Zement-Industrie in Deutschland
Zement ist ein fein gemahlenes Pulver, das i. W. aus Kalkstein, Ton, Sand und Eisenerz besteht. Bereits die Römer verwendeten ein „opus caementitium“, einen wasser- dichten Mörtel aus gebranntem Ton oder vulkanischer Erde. Im Jahre 1844 erkannte der Engländer Isaac Charles Johnson, dass neben einem optimalen Mischungsverhält- nis der einzelnen Komponenten deren Verschmelzung bei hohen Temperaturen, das sogenannte Sintern, ausschlaggebend ist für eine hohe Qualität.
Den Grundstein für die hannoversche Zementindustrie legten 1873 die Unternehmer Friedrich Kuhlemann und Albrecht Meyerstein in dem industriell noch unberührten Misburg, indem sie eine schlecht laufende Düngemittelfabrik (Kalkbrennerei) kauften. !878 warben sie aus Stettin den Fachmann Hermann Manske ab und gründeten die Hannoversche Portland Cementfabrik (HPC). Bis zur Jahrhundertwende entstanden in und um Misburg 6 weitere Zementwerke.

Höflinger, Jürgen (2008): Die Brachiopoden des deutschen Dogger, Bestimmungstipps für Sammler.
Selbstverlag: 124 S., 222 Farbabbildungen, davon 205 von Brachiopoden in 4 Ansichten, 25 Zeichnungen, 4 Tabellen,
DIN A5 Paperback, 1. Auflage, zu bestellen bei: juergen.hoeflinger@o2online.de, Preis: 24,50 € (Versand: 1,50 €)
Es gibt nur wenige Spezialisten für Brachiopoden, aber viele Fossiliensammler, die bei ihren Exkursionen neben anderen Fossilien auch als Beifunde Brachiopoden mit Hause bringen. Leider führen sie dann in den Sammlungen oft ein Schattendasein. Die Gründe hierfür sind sicherlich vielfältig. Über die Schönheit von Fossilien kann man sicherlich streiten. Ein Brachiopodensammler wird seine Brachiopoden aber sicherlich schön finden und sich an jedem neuen Stück immer wieder neu erfreuen. Aber ein Grund für die wenige Beachtung, die man den Brachiopoden schenkt, liegt wohl auch am Mangel an brauchbarer Bestimmungsliteratur.
Da sich Brachiopoden für stratigraphische Zwecke nicht so gut eignen wie z.B. Ammoniten, schenken unsere Forscher ihnen nicht ganz soviel Aufmerksamkeit. Entsprechend gibt es auch weniger Literatur. Ein weiteres Problem, das sich dem Sammler stellt, ist im Innern des Brachiopodengehäuses verborgen. Für die wissenschaftlich korrekte Bestimmung ist oft die Kenntnis des Armgerüst erforderlich, das der Sammler nur in seltenen Ausnahmefällen zu Gesicht bekommt. Das bedeutet aber, dass so manche wissenschaftliche Literatur für den Sammler nicht sonderlich hilfreich ist.
Dieses Buch will nun dem Sammler die Hemmungen nehmen und Tipps geben, wie er nur mit Kenntnis der Fundschicht und der äußeren Merkmalen des Brachiopodengehäuses doch zu einer befriedigenden Bestimmung von deutschen Dogger-Brachiopoden kommen kann. Dazu werden die meisten, der in Deutschland vorkommenden Arten vorgestellt. Typische Exemplare jeder Art sind in fotografischen Abbildungen in 4 Ansichten präsentiert. Zudem wird eine kurze Beschreibung der wichtigsten Merkmale gegeben, sowie die Reichweite und einige Beispiele für mögliche Fundorte. Es sind auch die wichtigsten Brachiopoden des alpinen Dogger berücksichtigt.
Eine Tabelle am Ende des Buchs listet noch einmal alle Arten mit ihren Reichweiten auf. Die Sortierung nach der Reichweite ermöglicht einen schnellen Überblick über die in Frage kommenden Arten, wenn man weiß, in welcher Fundschicht man gesammelt hat.
Richtig bestimmt und mit Fundzettel versehen, kommt so vielleicht so mancher Brachiopode aus seinem Schattendasein heraus.
Verlag Dr. Friedrich Pfeil, München: 256 S., 453 Farb- und 57 Schwarzweißabbildungen, 24 Tabellen, 32,5 x 24,3 cm. Hardcover. ISBN 978-3-89937-076-8. 1. Auflage, Preis: 78 €
Welcher Fossiliensammler träumt bei einem Besuch der Solnhofener Plattenkalke in Bayern nicht davon, an dieser vielleicht berühmtesten Fossillagerstätten der Welt einen Urvogel zu finden? Dieser Traum ist schlechter zu erfüllen als ein „Sechser“ in der Lotterie, aber ein kleines bisschen Entdeckerluft kann man mit dem neuen Buch von Peter Wellnhofer, ehemaliger Kustos an der Bayerischen Staatssammlung für Paläontologie und historische Geologie in München schnuppern. Dies gelingt mit K. Werner Barthel’s Buch über Solnhofen (1978, Thun-Verlag) oder K. A. Frickhinger’s zwei Solnhofen-Bänden (Goldschneck-Verlag 1994, 1999) nicht ansatzweise, denn hierin werden nur knappe Übersichten zu den Urvogelfunden gegeben.
Wellnhofer’s neues Buch ist sehr vollständig, das gilt für das eigentliche Thema ebenso wie für weitergehende Informationen über die Plattenkalke und deren Historie. Auf den ersten 46 Seiten werden die Geschichte Solnhofens und seiner Steinindustrie, die Lithographie, das Paläoklima, die Genese der Plattenkalke, die Paläoumweltrekonstruktion, die Fossilerhaltung und historische Sammler behandelt. Nach Darstellung des geologischen Rahmens und anderer genereller Fakten widmen sich die folgenden Kapitel dann detailliert den Funden selbst. Es geht um das Skelett, die Physiologie, Lebensweise und Rekonstruktion von Archaeopteryx (S. 47-204).
Spannend für den Sammler, der mehr wissen möchte, ist die Darstellung der Bedeutung von Archaeopteryx und dessen evolutionsgeschichtliche Einordnung. (S. 205-216). Es schließt sich eine Übersicht über die Entstehung des Vogelfluges an, die Entstehung von Federn sowie die frühe Evolution der Vögel (S. 217-238).
Das Material von Archaeopteryx wird mit Fundschicht, Fundort und Fundgeschichte beschrieben. Hier werden dann auch spannende Geschichten über missglückte Ankäufe, unklare Fundumstände und ein verschollenes Stück erzählt. Zur Sprache kommt somit auch eine der größten kulturellen Verfehlungen in der Bundesrepublik Deutschland, nämlich der verpasste Ankauf des heute Thermopolis-Exemplar genannten Stückes. Der aktuelle Aufbewahrungsort - eine Kleinstadt in den USA – nach der das Fossil benannt wurde, hat etwa genauso viel mit Solnhofener Fossilien zu tun wie Solnhofen mit einem Rembrandt.
Die Ausstattung des neuen Archaeopteryx-Buches ist hervorragend. Ein fester, abwischbarer Einband wie der bei Sammlern beliebte Bernstein-Atlas von Weitschat & Wichard (1998) aus demselben Verlagshaus. Hervorzuheben ist aber vor allem ein exzellentes Layout, ästhetisch gefällige Hinterlegungen von Zeichnungen und Tabellen, sowie eine technische hochwertige Reproduktion.
Der Verlag bietet online Beispielseiten an (http://www.pfeil-verlag.de/07pala/d3_76.php), so entspricht der Kauf dieses Buches per Versandbestellung nicht dem sprichwörtlichen Kauf der „Katze im Sack.“
Paperback, 192 S., 392 Abb., 31 Lagepläne, 1 stratigraphische Übersichtstabelle und 1 Übersichtskarte,
ISBN 978-3-89937-066-9, herausgegeben vom Staatlichen Naturhistorischen Museum Braunschweig und dem Freilicht- und Erlebnismuseum Ostfalen (FEMO), erschienen im Verlag Dr. Friedrich Pfeil, München, 27,- €
Das vorgestellte Buch ist ein erdgeschichtlicher Wanderführer und richtet sich an Naturliebhaber, Fossiliensammler und erdgeschichtlich und heimatkundlich Interessierte gleichermaßen. Nach einer Einführung in die Geologie des Braunschweiger Landes werden dem Leser 32 Exkursionspunkte erschlossen, wobei auch Vorschläge zu deren Verbindung zu Routen unterbreitet werden. Die Auswahl der Exkursionsziele folgt dabei geologischen, paläontologischen, aber auch vor- und kulturgeschichtlichen Gesichtspunkten. So wird der Leser etwa durch interessante Landschaften mit geologischen Besonderheiten (z. B. Elm, Asse) geführt. Einzelne, aus paläontologischer Sicht interessante, vorwiegend mesozoische Aufschlüsse (z. B. Vöhrum, Baddeckenstedt …)
werden vorgestellt, wobei dem Leser viele hilfreiche Hinweise zu Anfahrt, Zugänglichkeit des jeweiligen Aufschlusses, den geologischen Gegebenheiten (Profile) und zum in zahlreichen Abbildungen und Listen dargestellten Fossilaufkommen an die Hand gegeben werden.
Aber auch der bauhandwerklichen Verwendung der abgebauten Gesteine (z.B. Stadtexkursion durch Braunschweig) und der Besiedlung des Harzvorlandes in Jungstein-, Bronze- und Eisenzeit und ihren Spuren (Schöninger Speere, Lübbensteine bei Helmstedt) werden Exkursionen gewidmet.
Zahlreiche Hinweise auf Museen, Heimatstuben und Lehrpfade runden die Fülle von Informationen ab. Einer eigenen Exkursion durch das Braunschweiger Land steht nun nichts mehr im Wege. Das Buch sei daher allen Fossiliensammlern empfohlen, die sich nicht auf das (Auf-) Sammeln und Präparieren der Fossilien beschränken wollen und sich „dem Hobby“ gerne auch einmal aus einem etwas anderen Blickwinkel nähern.
Dieses Buch beschäftigt sich leicht verständlich mit allen Aspekten der formenreichen Tiergruppe der Korallen. Schrittweise werden der Aufbau einer Koralle erklärt und notwendige Fachbegriffe anhand von Grafiken und Dünnschliffaufnahmen erläutert, so dass es dem interessierten Leser leicht gemacht wird, sich in die Morphologie der Korallen einzuarbeiten.
206 Seiten, 279 (15 farbige) Abbildungen (440 Einzelabbildungen), 270 x 190 mm, fester Einband CPress Verlag Dresden ISBN 978-3-931689-12-4 Preis: 32 €
Mit Hilfe eines Bestimmungsschlüssels lassen sich angeschliffene Proben bis auf die Familie und teilweise die Gattung bestimmen. Etwa 150 Gattungen werden in Wort und Bild vorgestellt, dabei setzt sich der Autor kritisch mit der Anzahl der aufgestellten Arten auseinander. Des Weiteren gibt es in dem Buch wertvolle Tipps zur Präparation, Anfertigung von Dünnschliffen, digitaler Bearbeitung, statistischen Verfahren, Hinweise zu Literaturbeschaffung und Korallenlokalitäten. Auf Grund der Informationsfülle und des reichlichen Fotomaterials, welches aus einem Pool von mehr als 4000 Dünnschliffen und Lackfilmen ausgewählt und hier erstmals abgebildet wurde, ist der Kauf dieses Buches sehr zu empfehlen und die 32 Euro Kaufpreis sind sicher gut angelegt.